Die Lage der Eziden in den Bergen ist dramatisch!

Folgender Beitrag wurde an die Presse weitergeleitet, den wir für sehr notwendig erachten:

Dr. Irfan Ortac, Vorsitzender des Zentralrats der Êzîden in Deutschland (ZED), hat in der Zeit vom 20. – 27.10.2018 den Irak besucht, um zum einen die Entwicklung des politischen Prozesses nach dem vermeintlichen Sieg über den IS zu beobachten, zum anderen den Stand des Wiederaufbaus in Shingal.

Er hat nahezu die gesamte Region in Shingal bereist. Begonnen hat er seine Reise in der Region Schechan. Anschließend reiste Herr Ortac über Mosul, Til Afer und andere sunnitische Städte nach Khanasor, Synone, Kerse, Serdest nach Shingal Stadt. In diesen Ortschaften führte er Gespräche und beobachtete die Situation der Eziden und des Wiederaufbaus selbst.

Dr. Ortac dazu: „Es war notwendig, dass ich als Vorsitzender des Zentralrates mir persönlich ein Bild machen konnte. Das, was ich gesehen habe, ist beileibe nicht erfreulich. In der Region leben mittlerweile wieder über 40 000 Eziden. Mir wurde jedoch berichtet, dass dort kaum Hilfsmaßnahmen ankämen, es dort keine Krankenhäuser gebe und keine Infrastruktur existiere. So hätten die Menschen nicht einmal fließendes Wasser. Erschreckend war für mich, dass dort keine deutsche Entwicklungshilfe anzukommen scheint. Eziden berichteten mir, dass in der Region insbesondere sunnitische Ortschaften wiederaufgebaut und dort Menschen angesiedelt würden, während Eziden im Shingal noch nicht einmal die Möglichkeit gegeben würde, unter würdigen Bedingungen zurückzukehren. Es ist verantwortungslos, dass über einen Gerechtigkeitsprozess noch nicht einmal nachgedacht wird. Bekannte IS-Emire hätten nach meinen Informationen wieder Macht an sich gerissen, allerdings dieses Mal unter einer anderen Flagge.“

Es ist nicht zu übersehen, dass Herr Ortac von dem Einsatz der deutschen Entwicklungshilfe enttäuscht ist.

Dazu erklärt er: „Deutschland nimmt erfreulicherweise viel Geld in die Hand, um im Irak für den Wiederaufbau zu sorgen. Nach meinen Beobachtungen ist der Einsatz dieser Hilfe aber weder zielführend noch nachhaltig. Deutschland ist dringend dazu aufgerufen, über die Art und Weise des Einsatzes neu nachzudenken. Der Wiederaufbau von Shingal findet weder faktisch noch politisch statt. Eziden haben unter diesen Umständen keine Perspektiven, im Irak zu leben.“

Zeltlager für ezidische Rückkehrer/innen nach Shingal nahe Kerse, 23.10.2018
Zerstörte Häuser in Shingal Stadt, 23.10.2018
Zerstörte Häuser in Shingal Stadt, 23.10.2018
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Mejdin Kurt

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